Von Essen aus geht es in Richtung Norden, was sich heute gar nicht so einfach gestaltet. Aufgrund einer Demo sind sämtliche Hauptstraßen in unserer Richtung gesperrt und wir müssen viele Umwege fahren. Trotzdem schaffen wir eine Punktlandung und kommen pünktlich um 15:30 Uhr an einer uns bereits bestens bekannten Notunterkunft an. Hier treffen neben Wolle und mir, Nine, noch Tanja, die kurzerhand ihre 15-jährige Tochter Mira eingepackt hat, Dino, Manu und meine Freundin Viktoria ein. Und hier lernen wir auch direkt die Mitglieder Annika und ihren Mann Frank sowie unser Neumitglied Mischa kennen. Sofort habe ich das Gefühl, dass wir uns schon ewig kennen. Tolle Menschen!
Beim Einparken sehe ich schon, dass wir bereits erwartet werden. Einer der Bedürftigen lässt es sich nicht nehmen, uns gebührend mit Onkelz-Musik – und zwar in voller Lautstärke! – zu empfangen. Er ist total stolz, als er von uns ein positives Feedback und ein herzliches Dankeschön für diesen Empfang bekommt. Auch unser Sozialarbeiter Dirk ist bereits da und begrüßt uns mit einem strahlenden Lachen und großem „Hallo“.
Geduldig wie immer warten die Menschen, bis wir uns an „unserer“ Tischtennisplatte aufgebaut und sortiert haben. Als wir den Startschuss geben, läuft alles wie gewohnt sehr ruhig und gesittet ab. Eine unfassbare Dankbarkeit ist spürbar.
Mir fällt ein sehr junger Mann auf, höchstens 18/19 Jahre alt, der bei unserer Ankunft trotz Eiseskälte nur ein T-Shirt und keine Socken anhat. Er ist unendlich dankbar für einen warmen Hoodie inklusive Socken, und Wolle hat auch noch eine warme Winterjacke für ihn. Der Mann ist völlig aus dem Häuschen. Einfach unfassbar traurig, so etwas zu erleben. Trotzdem ist es schön zu sehen, was wir hier bewirken können. Sozialarbeiter Dirk lässt sich von uns auch wieder für zwei Bewohner, die ihre Behausungen nicht verlassen, Dinge zusammenstellen und bringt sie dort vorbei.
Ich vermisse die Bewohnerin Astrid, für die unser Mitglied Kevin einmal verschiedene Fanartikel von Schalke 04 gespendet hatte. Als wir fast fertig sind, erscheint Astrid dann doch noch, was mich ganz besonders freut, zumal wir mit Dirk schon alternativ vereinbart hatten, dass wir etwas für sie zusammenstellen und er es ihr dann am Montag übergibt.
Astrid beschwert sich, dass wir so lange nicht da waren. Dirk bestätigt mir, dass sie jeden Monat hartnäckig nachgefragt hat, wann wir denn endlich mal wieder kommen. Außerdem berichtet sie traurig, dass ihr der einst gespendete Schalke-Deckenbezug vom Wäscheständer gestohlen wurde. Astrid wird auch nicht müde zu erwähnen, dass sie, falls jemand Schalke-Sachen abzugeben hat, diese gerne nehmen würde.
Bis hierhin denke ich, dass ich heute meine Emotionen unter Kontrolle habe, aber ich soll mich täuschen. Denn eine Bewohnerin hat mit viel Überredungskraft die Bewohnerin Danuta dazu bewegt, zu uns zu kommen. Die Dame ist überwältigt von unseren Gaben. Dirk berichtet, dass sie sehr verschüchtert ist und keine Hilfen annimmt. In den letzten zwei Jahren hat sie vielleicht fünf Sätze mit ihm gesprochen. Sie lehnt auch sämtliche Sozialleistungen ab, vermutlich aus falschem Stolz. Er erzählt, dass sie jeden Tag eine ziemlich lange Strecke läuft, um Pfand zu sammeln, die eine Straßenseite rauf, die andere wieder zurück. Tag für Tag. So „überlebt“ sie. Während Dirk davon erzählt, wie sie täglich etliche Kilometer zurücklegt, um Pfand zu sammeln und über die Runden zu kommen, statten wir Danuta mit unseren Gaben aus und ihre Augen beginnen zu leuchten. In diesem Moment geht Frank kurzerhand zu seinem Auto und holt dort Pfandflaschen heraus. Wir holen die Dame ein und übergeben ihr die Pfandartikel. Ihr Gesichtsausdruck ist einfach nicht zu beschreiben, ich kann nur sagen, dass er mir auch danach immer noch die Tränen in die Augen treibt.
Überhaupt kann ich das heute Erlebte gar nicht wirklich in Worte fassen. Angefangen von der Atmosphäre bei unserer Ankunft und während der Aktion, über die Dankbarkeit der Anwohnerschaft bis hin zum Miteinander unseres Teams, als ob wir in dieser Konstellation nie etwas anderes gemacht hätten – die heutige Aktion geht mir unfassbar unter die Haut.
Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unter https://mein.bosc.de an.