Am ersten Samstag im Februar kommen wir, Wolle, Dino, Tanja, Manu, Dinie und ich, Nine, pünktlich um 11 Uhr in der Tiefgarage des Kennedyplatzes mitten in Essen an. Dort treffen wir auf Patrick und Leo. Die Freude ist riesig, als zur großen Überraschung auch noch Guido dazustößt.

Mit vollgepackten Bollerwagen geht es los in die Innenstadt. Kaum haben wir das Parkhaus verlassen, spricht uns eine Passantin an und interessiert sich für unsere Aktivität. Sie berichtet, dass ihr Bruder auf der Platte gelebt habe und sie deshalb regelmäßig Bedürftige unterstütze. Von ihr erfahren wir auch, dass heute eine große Demo angesetzt ist und es von Polizei nur so wimmelt, weshalb die Bedürftigen sich teilweise schon verzogen haben. Für uns ein Dämpfer, die Begeisterung hält sich entsprechend in Grenzen.

So weichen wir zunächst von der gewohnten Route ab und laufen etwas unkoordinierter als sonst durch die City. Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit sind mir in den letzten Monaten am Kopstadtplatz bedürftige Gruppierungen aufgefallen. Dank Tanja finden wir den Weg dorthin und treffen besagte Truppe auch an.

Wir werden freudig aufgenommen und verbringen dort eine ganze Weile. Hier lernen wir auch Walter und seine Hündin kennen. Walter selbst ist in einem sehr schlechten, abgemagerten Zustand, jedoch unfassbar dankbar für unsere Gaben und regelrecht sprachlos. Seine Hündin ist frisch an der Hüfte operiert. Kurzerhand zieht Dinie schnell los und kauft Hundefutter, Leckerli und eine Hundedecke, damit das gerade erst operierte Tierchen nicht auf dem kalten Boden liegen muss.

Einer der Bedürftigen erzählt stolz, dass er einige Jahre in Frankfurt gelebt hat und in Sachsenhausen als Türsteher tätig war. 1982 habe ihm Kevin einen Drachenkopf tätowiert. Lemmi scheint der Anführer der Gruppe zu sein. Er spricht sehr ernste Themen an, macht aber auch viele Scherze.

In besonderer Erinnerung bleibt mir ein junger Mann, der mich völlig verschüchtert anspricht und berichtet, dass er gerade auf Hafturlaub sei und ein riesiges Verlangen nach Süßigkeiten habe, ob er denn wohl etwas bekommen könne. Natürlich kann er. Das Leuchten in den Augen, unbeschreiblich. Vier Wochen hat er noch, dann ist er endlich raus.

Wir ziehen weiter durch die Innenstadt Richtung Bahnhof. Die Anzahl der Bedürftigen in der Fußgängerzone ist überschaubar, die Stadt ist aufgrund der Demo hingegen rappelvoll.

Am Bahnhof haben wir dann wieder viel zu tun. Alle stellen sich in Reih und Glied auf und warten geduldig darauf, bis sie dran sind. Auch hier kann ich wieder viele gute Gespräche führen. Auffallend finde ich dieses Mal, dass auf der Platte großer Hunger herrscht und die Terrinen und ähnliches regelrecht verschlungen werden.

Gegen 14:30 Uhr ziehen wir zurück Richtung Kennedyplatz, denn im Anschluss steht noch eine weitere Aktion im Ruhrgebiet an.

Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unter https://mein.bosc.de an.