Es ist soweit – das neue Jahr ist zwar schon wieder 25 Tage alt, doch voller Tatendrang starten wir, Jens, Linda, Mike, Steffi mit Tochter, Thorsten und ich, Larissa, um uns im Rotebühl-Parkhaus in Stuttgart zu treffen und eine Prise Hoffnung, viel Licht – die Sonne scheint – mit jeder Menge guter Laune Nahrungsmittel, Hygieneartikel sowie Second-Hand-Kleidung unter den Bedürftigen zu verteilen. Da an der Leonhardskirche aktuell regelmäßig die Essensausgabe „Vesper-Kirche“ stattfindet, treffen wir heute am Hotspot unter der „Paule“ nur zwei Personen an. Dankend nehmen sie unsere Gaben entgegen und empfehlen uns, direkt zur Leonhardskirche zu gehen, anstatt durch die Königstraße zu ziehen. Wir sind gut in der Zeit, denn bis 15 Uhr ist die Kirche geöffnet, und so kommen wir dort genau richtig an, als die Vesperkirche beinahe beendet ist. Vor der Kirche sind noch sehr viele Menschen versammelt: alt, jung, groß, klein – mittellos, von Altersarmut betroffen, wohnungs- oder obdachlos. Ganz vielfältige Gründe haben die Leute, weshalb sie das kostenlose Essen der Kirche und im Anschluss unsere Spenden in Empfang nehmen. Die Stimmung ist äußerst positiv, vielleicht mag das auch etwas an den sonnigen, wenn auch noch frischen Temperaturen liegen. Toll, dass wir heute besonders viel Kleidung im Angebot haben: Die Bedürftigen lassen sich die mitgebrachten Kleidungsstücke präsentieren, empfehlen, beraten sich gegenseitig, was dem einen oder der anderen gut stehen würde und sind im Umgang miteinander heute sehr achtsam und wenig hastig. Auch die Lebensmittelausgabe verläuft ganz ohne Eile und als wir am Ende alle versorgt wissen, quatschen wir noch eine Weile miteinander und lassen uns die neuesten Geschichten aus dem Leben der Leute erzählen. Dabei trinken sie einen Kaffee und wir genießen umso mehr die gute Stimmung, die Sonne und das Gefühl, andere Menschen gerade zufrieden – vielleicht sogar auch ein bisschen glücklich – gemacht zu haben.

Irgendwann begeben wir uns wieder auf den Rückweg. Da wir nahezu alles ausgegeben haben, was wir an Lebensmitteln und Kleidung mit uns führen, beschließen wir, direkt das Parkhaus anzusteuern, da eine Runde durch die Königstraße mit so wenig Artikeln kaum mehr Sinn ergibt. Auf dem Weg dorthin treffen wir eine Frau. Sie ist schon etwas älter und läuft mithilfe eines Rollators. Mike fragt sie, ob sie etwas benötigt, und so kommen wir ins Tun – und ins Gespräch. Am Ende freut sie sich sehr über ein neues Paar Schuhe und noch etwas Essen, das sie mitnehmen kann. Sie erzählt uns von ihrem Enkelsohn. Dieser lebe nun bei ihr, da er zuvor auf der Straße gelandet sei und sie ihn bei sich aufgenommen habe. Er leide an Schizophrenie. Während sie von ihm spricht, nein, von ihm schwärmt, kommen ihr die Tränen. Und auch uns berührt das Gesagte zutiefst. Ein kluger, talentierter junger Mann, dem es teilweise auch schwerfällt, Hilfe anzunehmen. Ich spüre ihre Hilflosigkeit so sehr, dass es mir schwerfällt, mich von ihr zu verabschieden. Denn ich bemerke, dass sie noch so viel mehr auf dem Herzen hat und loswerden will. Ich frage sie, ob sie eine Umarmung möchte und sie antwortet „Oh ja, sehr!“ – und so nehme ich sie in den Arm und sage ihr, was für eine tolle Frau und welch tolle Oma sie ist. Auch sie drückt mich dann nochmals und sagt zum Abschied, dass sie hoffe, uns noch einmal zu treffen.

So gehen wir weiter und enden schließlich wieder bei unseren Fahrzeugen, verstauen alles und gehen anschließend gemeinsam etwas essen. Dabei lassen wir die Eindrücke erneut Revue passieren und den Tag in geselliger Runde ausklingen. Nach dem heutigen Erlebnis vor der Leonhardskirche, dem Gespräch mit der älteren Dame und dem Miteinander mit den anderen Mitgliedern freue ich mich – so wie jedes Mal – dass wir gemeinsam Gutes tun.

Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unter https://mein.bosc.de an.