Neues Jahr – altes Ritual oder auch: zum Ende eines jeden Monats grüßt das Murmeltier bzw. der B.O.S.C. mit dem Licht der Hoffnung in Dortmund. So auch im kalten Januar 2025.
Wir – das sind Albin, Bine, Chris, Heiko, Helge, Heike, Kai, Michelle, Patrick, Sina, Volker und ich, Sandra – treffen uns in der Tiefgarage, um dort unsere sieben Bollerwagen zu bestücken. Ja, richtig gelesen: Sage und schreibe sieben Bollerwagen sind mit Schuhen, Kleidung, Hygieneartikeln, Socken, Unterwäsche, Kaltgetränken, Kaffee, Tee, Terrinen, Fischkonserven, Bananen, Schokobrötchen, Süßigkeiten, Hundefutter und Merch in bester Tetris-Manier bis an den Rand befüllt, als wir in Richtung Hauptbahnhof starten. Dort angekommen werden wir von vielen bekannten, aber auch vielen unbekannten Gesichtern erwartet und herzlich begrüßt. Wir freuen uns, dass die Obdachlosen heute nicht, wie sonst zu BVB-Spielen üblich, vom Platz am Bahnhof vertrieben worden sind.
Wir versorgen die Menschen dort mit dem Nötigsten und es ist bewegend, wie dankbar sie sich zeigen. Schon hier werden unsere Wagen merklich leerer und auch ein Hund freut sich über Futter. Auf dem Marsch in Richtung Fußgängerzone halten wir immer wieder an, um Kaffee, Terrinen, Bananen, Schokobrötchen etc. zu verteilen und um ins Gespräch zu kommen. Es ist deutlich zu spüren, wie sehr sich die Menschen darüber freuen, dass sie wahrgenommen werden und wir uns für sie interessieren sowie mit ihnen das Gespräch suchen. Sie sind dankbar dafür, dass wir sie annehmen – hinschauen und nicht wegesehen! Es sind fast immer Menschen, die nicht freiwillig obdachlos und bedürftig sind.
Umso schöner ist es, dass wir mehrfach von Mitmenschen angesprochen werden, die auf uns aufmerksam geworden sind. Die sich erkundigen, was wir tun. Das gibt uns auch Hoffnung darauf, dass da draußen tatsächlich noch mehr von uns sind.
Wir weichen dann von unserer üblichen Route ab und machen einen Abstecher zur Reinoldikirche. Dort versorgen wir zunächst zwei bedürftige Frauen mit Heißgetränken. Doch schon nach kurzer Zeit kommen immer mehr Menschen zu uns, denen wir eine kleine Freude mit Essen, Kleidung, Hygienepacks usw. machen können.
Mit einem jungen Mann komme ich ins Gespräch. Er kann kaum glauben, dass er von uns einfach so eine kleine Mahlzeit, ein Hygienepack und einen Kaffee bekommt. Er erzählt, dass er fest entschlossen sei, sein Leben zu ändern. Nach langer Zeit auf der Straße hat er sich bereits darum gekümmert, sich seine Geburtsurkunde zu besorgen, um wieder Ausweispapiere zu bekommen. Aktuell ist er bei einem Bekannten untergekommen und fängt nächsten Monat mit einem 2,-€-Job an. Als er mitbekommt, dass wir vom B.O.S.C. sind, ist er völlig begeistert. Seit er als Teenager eine Kassette der Onkelz geschenkt bekommen hat, sei er ein riesengroßer Fan. Als ich ihm daraufhin einen Onkelz-Schal gebe, kullert – erst bei ihm, dann bei mir – die eine oder andere Träne. Es sind genau diese bewegenden Begegnungen, die das Licht der Hoffnung so besonders machen.
Wir setzen unsere Tour fort und machen uns auf den Weg zu einer Drogenhilfeeinrichtung. Auch hier treffen wir viele bekannte und unbekannte Gesichter und können selbigen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Kurz darauf sind unsere Bollerwagen restlos leer.
Zurück am Hauptbahnhof lassen wir uns noch für eine kleine Stärkung nieder, um dieses wirklich erfolgreiche Licht der Hoffnung mit einer tollen Gruppe und wundervollen Momenten Revue passieren zu lassen.
Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unter https://mein.bosc.de an.