Wie tiefgründig und emotional der heutige Tag und die erste Licht der Hoffnung-Aktion in diesem Jahr hier in Frankfurt werden, ahne ich, Bernd, zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich stoße zu Plaui und Nick an dem vereinbarten Treffpunkt am Woolworth bei der Konstablerwache. Selbst der Regen kann unser Vorhaben nicht trüben und so machen wir uns auf den Weg, bereit, zumindest für einen kurzen Moment die Herzen der Hilfsbedürftigen zu berühren. Zuerst einmal Richtung „Römer“, vorbei am Konsumtempel „MyZeil“. Selbst bei diesem Wetter treffen wir auf der „Zeil“, der wichtigsten Einkaufsmeile in dieser Stadt, auf die ersten Bedürftigen, die wir umgehend versorgen.

Die Onkelz verbinden! Das bestätigt uns auch eine sehr bewegende Begegnung mit einem uns neuen Gesicht, welches wir neben dem Eingang zur S-Bahn-Station „Eschenheimer Warte“ antreffen und das von unserer Aktion begeistert ist. Ein freundlicher junger Mann mit Blindenbinde am Arm, der aus Nürnberg zugereist ist, lässt uns nicht nur an seiner Hingabe zu den Onkelz teilhaben, sondern auch an der traurigen Tatsache, dass er alles verloren hat. Das Leben hat ihn gezeichnet, aber gleichwohl hat er seine Herzlichkeit behalten und so verabschiedet er sich mit einer Umarmung.
Die Schilderung seiner Erlebnisse und Schicksalsschläge macht mich sehr nachdenklich, denn er ist in meinem Alter. Er hat nur noch ein gesundes Auge, Verantwortung für eigene Kinder, und obendrein wurde ihm kürzlich auch noch sein Handy gestohlen.

Nicht beklaut zu werden – dies ist einer der Beweggründe, der viele Obdachlose zum Angebot der Notübernachtungseinrichtung in der U-Bahn-Station „Eschenheimer Tor“ und der „B-Ebene“ führt. Hier finden sie Schutz vor der klirrenden Kälte, Diebstahl und zudem vor Gewalt auf der Straße, ein wichtiger Punkt auch für psychisch erkrankte Bedürftige. Für die auf der Straße lebenden Frauen wurde aufgrund von Gewalterfahrungen im Untergrund Frankfurts ein Schutzbereich im „Zentrum für Frauen“ eingerichtet. Obwohl die Versorgung seitens der Stadt hier gut organisiert ist, führt uns der Weg auch an diesen Ort. Neben bereits ausgelegten Isomatten, Decken und Schlafsäcken, die hier täglich zur Verfügung gestellt und am nächsten Morgen eingesammelt und gereinigt werden, finden wir eine größere Gruppe Notleidender vor.

Der Anblick dieser Bilder bewegt mich sehr und schockiert und beschäftigt uns alle auch im Nachhinein. Umso wichtiger ist es uns, dass wir die letzten Kleiderspenden, das Obst und die Süßigkeiten an diese Menschen, die noch so viel mehr benötigen, verteilen können.

Nach einem Gruppenfoto von Nick, Plaui und mir nehmen wir die Gedanken zu diesem tiefgründigen, aber erfolgreichen Licht der Hoffnung mit zum „Onkelz Abend“ im Speak Easy und lassen den Tag dort noch einmal Revue passieren.

Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unter https://mein.bosc.de an.